Ariowist und Inkubus kommt!


Nur noch zwei Mal schlafen – dann ist Premiere-Lesung von Ariowist und Inkubus im hansa48 in Kiel! Seit Freitag kann der gebundene Roman auch ganz bequem nach Hause bestellt werden: Ariowist und Inkubus

Alle weiteren Infos gibt es wie immer hier: Ariowist-Homepage

cover

 

 

 

Advertisements

Almamater Superstar


Gemütlich weit weg vom Menschen
Kopierpapierstapel kopieren sehen
Über dem Lehnstuhl ein Foto
Der Eierlegendenwollmilchsau,
die wir mal waren.
Die Sterne immer zum Greifen nah
Wenn bloß der Mief nicht wäre
Zu hunderten schauen Erwartungen auf euch
Junges, kluges Kruppstahlland
Zum Glück Almamaters Schoß nie verlassen
(einmal beinahe nach Duisburg gewechselt)
Über die draußen schimpfen
Über die drinnen schimpfen
Aber hier ist es zumindest im Winter geheizt!

Alles wird gut


„Ein Leben lang laufen wir Symbolen hinterher, die wir für den Abglanz des Göttlichen halten. In Wahrheit sind sie Abgrund unserer Seelen, gerade in dem Maße, wie sie uns beherrschen.“

– Krishna Raji Baba

***

An diesem dunklen Wintermorgen war es wirklich so kalt, dass die Eiskristalle an der Scheibe beschlossen hatten, sich unter dem Fensterahmen mit der abgeblätterten Farbe hindurchzuquetschen und in unser Badezimmer hineinzuwachsen. Es war ihnen draußen wohl auch zu kalt geworden.

„Wir müssen was mit diesen undichten Stellen machen“, sagte ich, „es kommt überall was durch, wo es nicht soll.“

„Hm“, Victor schnaubte, „also Schere, Stein…“

„Moment!“ Ich rieb mir die Oberarme und tat so, als würde ich mich wärmen wollen.

In Wirklichkeit überlegte ich fieberhaft. Victor gewann dieses Spiel in den letzten Tagen unverschämt oft. Und ich musste höllisch aufpassen, wenn ich nicht wieder unten sein wollte.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte ich ihn an, um seine Gedanken abzusaugen. Dann ließ ich meinen Blick an ihm herunterwandern, seinem nackten Körper, ganz in Gänsehaut gekleidet und mit zwei herausfordernd abstehenden Brustwarzen. Und vor ihm mein nackter Leib, frostgebeutelt und jämmerlich gekrümmt. Kurz davor, noch einmal nach unten zu müssen.

Wir schaukelten die Hände drei Mal: „Schere, Stein …“

„Schnuck!“, rief ich. Daumen und Zeigefinger zum Brunnen gebogen.

„Gewonnen“, murmelte Victor.

„Die Schere fällt doch rein!“, protestierte ich.

„Das ist eine Gurke.“ Kaum merklich fuhren die Scherenschneiden übereinander und ergaben eine leidlich gewölbte Cornichon. „Gurke verstopft Abfluss… kennt man ja.“ Weiterlesen

Lesenacht in Polzenbüttel


Jede Muskelfaser in meinem Körper entspannte sich und ein wohliger Feierabendschauer breitete sich aus. Ich ließ mich rücklings in den klapprigen Terrassenstuhl fallen, dessen schwarzes Plastikgerippe von einer hauchdünnen Schicht grünlich weißer Moosflechte überzogen war. Es war einer dieser Spätsommerabende, an denen man die letzten Sonnenstrahlen auf dem Balkon auf Biegen und Brechen auskosten will, auch wenn das bedeutet, dass man bald zitternd und fröstelnd da liegt, weil man zu faul ist, sich eine Decke zu holen. Weiterlesen

Über’s Lernen


Ich erwachte: am ersten Tag.

Der Kopf leer und ein Kind.

Die allerersten Zeilen von Bedeutung fließen in meinen leeren Hirnkasten, mit größter Wonne stapeln sich neue Synapsen bis zur Schädeldecke. Ungekannte Weisheitsströme brechen sich Bahn.

Ich erhebe mich am zweiten Tag. Weiterlesen

Zwischenstopp


Ironischerweise begegnete ich Adrian zum ersten Mal in einem Moment, der so gar nicht zu seinem Charakter passen wollte – zumindest so, wie ich ihn heute beschreiben würde. Wir befanden uns damals beide auf einer ziemlich langen Busfahrt von einer verregneten, betonverseuchten Großstadt in die nächste. Die Sitze des Busses waren solche, bei denen man seinen Kopf partout nicht anlehnen kann, weil die Kopfteile viel zu niedrig sind und man bei einer Vollbremsung mindestens mit einem Genickbruch davonkommen würde. Außerdem waren sie so eng aneinandergereiht, dass man sein Kinn bisweilen bequem auf den Knien ablegen konnte, denn so eng musste man die Beine anziehen. Weiterlesen

Fade Away


Ein Mädchen hatte einen seidenen Faden. Dies war sein liebstes Spielzeug und es hatte große Freude daran, doch sagte man ihr eines Tages, dass der Faden nicht zum Spielen da sei. Doch das bekümmerte das Mädchen nicht weiter, denn sie nahm kurzerhand den Faden wieder auf und begann, diesen um Fassaden zu werfen und an den höchsten Häusern emporzuklettern. Da aber sprach man zu ihr: „Du darfst den Faden nicht zum Klettern nehmen!“ Also dachte das Mädchen sich, sie würde stattdessen auch große Freude daran haben, den Faden als Springseil zu benützen und sprang fröhlich darüber und darunter durch. Mann sprach dann: „Das ist Unrecht! Über den Faden springt man nicht!“ Weiterlesen